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11.10.2009: Ford Ironman World Championship

Jeden weißen Hai verstehe ich, der am 10.10.2009 um 7:00 Uhr früh einen großen Bogen um die Bucht von Kailua-Kona gemacht hat. Wäre er in die Schlacht der startenden Agegrouper geraten, wir hätten ihn wohl zu Fischfutter zerfetzt! Noch nie hab ich so eine brutale Prügelei erlebt wie hier bei der Ironman WM. „Schwimmen oder geschwommen werden“ lautet hier die Devise. Entweder schiebst du alles was sich dir unter deine Hände kommt unter dir durch, oder du wirst unter Wasser von Reihe zu Reihe von den anderen durchgereicht. Dieses Jahr war es deswegen besonders hart, da auch die ersten Bojen nur von einer Seite und nicht wie in den Vorjahren von beiden Seiten angeschwommen werden durften. Die um mich wütenden Japanerinnen haben sich übrigens als besonders zäh im Austeilen aber auch im Einstecken erwiesen. Sie merken scheinbar einerseits nicht, dass du in ihrer Schwimmlinie bist, wenn sie dir zehnmal auf die Schulter schlagen, aber andererseits auch nicht, wenn sie von dir 20 mal eine volle Kanne auf den Schädel bekommen. Asiaten sollen ja eine andere Schmerzwahrnehmung haben und nicht so zimperlich wie wir Europäer sein. Zahlt sich beim Ironman sicher aus.
 
Warum Alexander und nicht ich?
 
Jetzt bekommt ihr von mir die von Triathleten üblichen Ausreden „warum ich nicht den Craig Alexander geschlagen habe“ serviert.
- Das Japanerinnenproblem, siehe oben
- Das Schwimmbrillendesaster: Ein Gegner (anders ist es hier nicht zu bezeichnen) hat mir das Schwimmbrillenband ungefähr bei Kilometer 2,857 abgefetzt. Ich musste mich durch den Brillenschaden aus der Meute befreien und auf ein rettendes Surfboard schwingen. Die dort sitzende, junge Amerikanerin am Board war zwar fesch, aber nicht so gut im Nervenbewahren beim „Knoten-in-Schwimmbrillengummibandl-machen“. Sie machte mich schlussendlich durch ihr Anfeuern (!) noch nervöser. Also das Schwimmbrillendesaster kostete mich zumindest die Top Ten.
- Es war es am Renntag um 3,75°C heißer als erwartet.
- Ich hatte meine Radform für 180 und nicht für 185 Kilometer, die es hier auf Big Island zu radeln gilt, aufgebaut.
- Der Marathon war nicht flach, in der Ausschreibung des Wettkampfes war jedoch nie ein Streckenprofil abgedruckt.
- Last but not least: da kommen wirklich aus allen Ecken der Welt die besten Athleten auf diese Insel, so was Blödes aber auch!!
 
Der Ironman an sich war natürlich ein Wahnsinnserlebnis. Die österreichischen Fans am Rand mit Fahnen um die Taillen gebunden, die Straßen mit Anfeuerungsbemalungen bebrandet, trieben uns durch die Lavawüste in Richtung Ziel. Und nebenbei konnte man den Rennverlauf der PROs live miterleben. Beeindruckend, wie sich die Mädls und Jungs quälen können!
 
Michi Weiß hat, so wie ich meine, bei seinem Langdistanz-Debüt seine Haut gut verkauft. Mit Platz 25 ist er an seiner Zielsetzung von Top-20 vorbeigeschrammt, hat aber sicherlich noch Potential nach oben. Er ist ja nur 3:18 h gelaufen, und bitteschön, das lauf' ja sogar ich, das kann er besser! Norbert Langbrandtner verabschiedete sich, so wie er sagt, bei seinem letzten Rennen auf Hawaii und nimmt ein Finishershirt als Souvenir mit nach Salzburg. Er will in Zukunft nur noch Klagenfurt als Höhepunkt in seinem Rennkalender einplanen.
 
Das ist nun das Ende des „Finisher Hawaii-Blogs“. Vielen herzlichen Dank fürs Reinschauen, ich hoff ich konnte euch Hawaii mit einem Augenzwinkern etwas näher bringen.
 
Man muss es gemacht haben!
 
Hangloose
Euer Triwig




08.10.2009 Underpantsrun

Wenn die „Queen of Kona“, Paula Newby Fraser, immerhin siebenfache Hawaii-Siegerin, jemanden fragt, ob SIE mit dir aufs Foto DARF, dann hat man es popularitätsmäßig wohl geschafft. Ein hier inkognito auftretender Triathlet aus dem Süden Österreichs gelang dieses Kunststück beim legendären „Underpantsrun“ in Kona. Man munkelt, dass es nicht mit der zu erwarteten Bestzeit von ihm beim Ironman zu tun hat, sondern mit dem Borat-Outfit, mit dem er hier für Furore sorgte. Fotografen und Kamerateams klebten an Borat wie die Fliegen, junge Ladies stellten sich, wenn sie nicht gerade mit amerikanischen „Oh my God!“-Gekreische oder Ohnmachtsanfällen beschäftigt waren, um „Having a picture, pleeeeeeeeease!“ an. Als Triwig war mir klar, dass der österreichische Triathlon in dieser Woche nicht mehr so im internationalen Rampenlicht stehen wird wie heute. Also hab ich brav den Medienstrom kanalisiert und die Fotografen unter dem Motto „immer nur fünf auf einmal“ zu Borat vor gelassen, um ein komplettes Chaos zu vermeiden. Die kreischenden Mädels ließ ich zappeln, Männer hatten bei uns sowieso keine Chance aufs Boratticket. Die mitlaufenden österreichischen Triathleten rund um Werner Leitner, der sich als Abu Dhabi – Manager dieses bunte Treiben nicht entgehen lassen konnte, kamen vor Lachen kaum noch auf die Beine, zu unglaublich war die Szenerie, die sich uns hier bot. Die prüden Amis vielen fast um vor Schreck bei der Blöße die ihnen unser Borat präsentierte, wir Europäer vor lauter Lachen! Schenkelklopfen ohne Ende!

 

Hangloose von der Unterhosenfront,

Euer Triwig




07.10.2009 Haisichtung und Tsunamiwarnung!


Na Prostmahlzeit! Soeben erzähl ich noch voller Stolz von meiner Delfinsichtung, trumpft mein Freund und Zwetschkenröster Stefan Dullnig aus Oberdorf mit einer Haisichtung auf der Wettkampfstrecke, also im Pazifik unweit des Piers, auf! Blöderweise muss ich  ihm das auch glauben, denn auch andere Athleten aus anderen Nationen berichteten von zwei Riffhaien, die sie in der Bucht von Kona beim Schwimmtraining gesichtet hatten. Nun ist gerade gegenseitiges Mutzusprechen unter der Athletenschar angesagt.

 

Wikipediaschlauberger beten einem gleich die Daten des Herrn Riffhais herunter, „eigentlich ungefährlich“ sollten sie sein, und „eh nur“ zwei Meter lang. Hat von euch schon wer beim Schwimmen in einem Badeteich einen Karpfen gesehen? Teilweise furchterregend, gell? Dann nehmt die Dinger mal vier, das Wissen, dass das dann noch laaaaang nicht alles sein muss, was du heute begegnest, potenziere das mit deinem Sternzeichen und dann hast du in etwa den Angstkoeffizienten den „manche“ von uns  jetzt haben. Michael Göhner, Rothgewinner dieses Jahres hat auch ganz schön blöd gschaut, als ich ihm das brühwarm erzählt hab. Seine Frau startet gerade Beruhigungsversuche. „Michi, die sind harmlos, werden nur zwei Meter…“

 

Ich wäre nicht der Triwig, wenn ich nicht eine Lösung für das Haiproblem parat hätte. Gemeinsam mit dem „Haisichter“ Stefan haben wir uns zwei Beschützer namens Schnappi und Hippo fürs Schwimmtraining besorgt. Damit haben wir ganz schön für Aufsehen am Pier beim eisernen Volk gesorgt. Für fünf Minuten waren Marc Allen, Peter Reid und die Commerzbankbande, die allesamt ihre Intervies am Pier gaben, nur Randfiguren des Ironmanzirkuses. Die Bilder erklären vielleicht warum, denn die sagen bekanntlich ja oft mehr als tausend Worte.

 

Da hätte ich das Haiproblem gelöst, kommt plötzlich ein furchteregender Sturm am Nachmittag auf. Äste reißt es von den Palmen, Kinder werden von ihren Müttern in die Autos gezerrt. Als ich ins Appartment komme, packen gerade meine WG-Kollegen ihre Wertsachen zusammen. „Tsunamiwarnung!“ ist alles was aus ihnen heraus kommt. „Mei Radl!“ schießt es mir sofort durch den Kopf. „Gott sei Dank bin ich ein guter Bergfahrer!“, denn jetzt heißts Höhenmeter gewinnen! Kurz bevor wir tatsächlich aus der Wohnung stürzen wollten, gab es aber dann die Entwarnung aus dem Radio. Schwein ghabt!

 

Die Nationen Parade ist natürlich eine tolle Sache. In rot-weiß-rot sind wir den Alii Drive mit doch etwas stolz geschwellter Brust runter geschritten. „Winken, wie bei Olympia“ dürfte sich Michi Weiss gedacht haben, der als einziger heimischer Pro im wahrsten Sinne des Wortes hier in Kona die Fahnen für Österreich hoch hielt.

 

Bernhard Hiebl ist zuversichtlich, jedoch spürbar nervös. „Von Platz 15 wenn einige eingehen und ich einen spitzen Tag erwisch bis Rang 80 ist wohl alles drin!“ Die Hitze macht ihm etwas Sorge. Das Paket um Ronnie Schildknecht wolle er halten, dann ist einiges drin, meint der Vierte von Klagenfurt.

 

Hawaii: fad ist´s wo anders!

 

Aloha

Euer Triwig




05.10.2009 Zeitumstellung geschafft


Der erste Tag der Race-Woche begann für mich mit einer fröhlichen Überraschung, nämlich dem Blick auf den Wecker: 6:30 Uhr, Rekord! Die letzten Nächte bin ich hier in Kona um 4:30 Uhr schon hellwach am Balkon herumgeturnt, an Schlaf war nicht mehr zu denken, zwölf Stunden Zeitumstellung lassen grüßen. Generell muss es ein lustiges Bild für die wohlbeleibten Einheimischen hier abgeben, wenn in allen Lokalen die hartgesottenen sub-10% Körperfetttypen wie auf Kommando beim Abendessen mit ihren sonnenverbrannten Gesichtern in ihre Nudelteller fallen. Um spätestens 19:30 Uhr läuft es bei uns Europäern so ab: Robotern gleich, denen man den Netzstecker aussteckt, folgt ein vollkommener Systemzusammenbruch. Nichts geht mehr.

 

Dafür läuft hier unter Tags so einiges, genauer gesagt hunderte, meist mit nackten Oberkörpern, förmlich dahinsprintende Ironmänner. Und - Chrissie Wellington, allerdings mit Oberteil. Die Titelverteidigerin läuft hier anscheinend Tag und Nacht den Alii Drive rauf und runter, als ob sie einen Trainingsrückstand aufzuholen hätte. Natürlich läuft auch Macca rum, die Kollegen vom Commerzbankteam mit Timo, Marino, Norman etc. sind allgegenwärtig und Craig Alexander trainiert schon seit Wochen auf der Insel.

 

Gestern hatte ich die Ehre einen gemeinsamen Hunderter mit dem bayrischen Ex-Weltmeister Faris Al-Sultan und seinem Abu Dhabi-Teamkollegen Sven Sundberg am Rad zu drehen. Der Ex-Champ ist heuer wirklich locker drauf. Einen Tipp an dieser Stelle: gebt Faris nie ein Cola zu trinken, denn sonst zeigt er dir schnell, dass man hier mit 53/12 nicht weit kommt! Faris versucht sein Glück hier übrigens mit einem eigens für ihn neu entwickelnden Prototyp von Storck. Diese Maschine ist echt der Hammer, da ist alles innen verlegt, sogar das revolutionäre Bremssystem. Aber wer braucht schon Bremsen.

 

Die Österreicher hier auf Hawaii fallen mit guter Laune und lockerem Posing auf, Max Renko, Monika Wilfing, Andrea Geier, Stefan Dullnig, Michaela Rudolf, Franz Knor und wie die Agegrouper alle heißen sind gut drauf. Österreichs Pro-Hoffnung Michi Weiss liebäugelt mit einem Top-20 Platz und versucht sich noch mit Pazifik anzufreunden.

 

So, ich geh nun die Delphine bändigen, die hier vor meinem Balkon meines Appartments aus immer Radau schlagen!

 

Grüß euch und natürlich ein festes „Aloha“ nach Österreich,

Euer Triwig


v.l. Stefan Dullnig probt den Erfolg im Lava Java. // Faris Al-Sultan hat seinen Teamkollgen Sven Sundberg im Griff. // Um 4:30 Uhr beobachtet man bei Schlaflosigkeit den in den Pazifik sinkenden Mond. // Triwig mit Agegrouperinnen Andrea Geier und Moni Wilfing. // Triwig läuft am Turtel Beach. // Michi Weiss und Max Renko motivieren sich am Pier.





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